Als der Himalaya bebte

Patrizias Reise nach Nepal hinterließ tiefe Eindrücke. Die drei Monate haben die junge Österreicherin reicher an Lebenserfahrung und Selbstbewusstsein gemacht. Während des fatalen Erdbebens war Patrizia im Himalaya – und konnte Land und Leuten danach viel zurückgeben.

Die Entscheidung, ihre erste Interkontinentalreise nach Nepal anzutreten, trifft Patrizia spontan. Nach der Matura will die damals 20-Jährige Österreicherin „etwas von der Welt sehen.“ Sie sucht nach Volunteering-Organisationen, deren Arbeit sie sinnvoll findet. Nach einiger Recherche bewirbt sich Patrizia für ein Projekt im Himalaya. Kurz darauf ist das Flugticket gebucht. „Die Organisation hat mich quasi gezwungen, zu planen. Sie wollten einen genauen Ablaufplan, wie ich meine Zeit verbringen möchte,“ erzählt sie. Dieser Plan wird vor Ort dann „über den Haufen geworfen.“ Denn das Reisen in Nepal heißt vor allem: Improvisation. Eine Lektion, die schon am ersten Tag auf die Österreicherin wartet.

 


Gab es Situationen in Nepal, während denen du Angst hattest?


 

Google Maps kennt Patrizias Reiseziel nicht. Das Bergdorf Swaragau liegt abgeschieden, im Norden bewacht von den imposanten Gipfeln des Annapurna-Massives. Zwölf Stunden dauert die Fahrt. „Bei normalen Straßenverhältnissen,“ schmunzelt Patrizia „wären wir zwei Stunden unterwegs gewesen.“ Sie reist über holprige Gebirgspässe, vorbei am Manaslu, dem achthöchsten Berg der Erde. Die letzte Stunde legt sie zu Fuß zurück. Im Himalaya wohnt Patrizia mit einer Gastfamilie. Die ersten drei Wochen ist sie die einzige Nicht-Nepali im Dorf. Eine Zeit die sie an einem Flaschenhaus für Waisenkinder baut, mit ihnen malt oder Wanderungen unternimmt. Eine Zeit, in der sie lernt ohne Worte zu kommunizieren. Denn nur der Bürgermeister spricht etwas Englisch.  Für stille Momente hat Patrizia Bücher mitgenommen. „Die Erfahrungen, die ich gemacht habe,“ sagt sie „gehören jetzt nur mir alleine.“

 


Was ist das Schöne am Alleine Reisen?


 

Patrizias größtes Abenteuer war zugleich eine Herausforderung: Der Annapurna Circuit. Zwei Wochen lang wandert sie einen der imposantesten Routen unserer Welt. Eine Zeit die sie als „voller Tiefen und Höhen, von bis zu 5416 Metern,“ beschreibt. An ihrer Seite, und an manchen Streckenabschnitten auch hinter ihr, war ein Guide aus Nepal. Alleine und ohne Organisation sollte man den Circuit nicht machen.

Der Himalaya ist „ein kleines bisschen höher, als die Alpen,“ schmunzelt Patrizia. Mit den Höhenmetern, die sie überwand lernt sie, über ihre körperlichen Grenzen hinauszugehen. Heute weiß sie, dass genau das, vielleicht nicht so gut ist. „Aber genau daraus lernt man.“

Das große Erdbeben

Am 25. April 2015 kommt Patrizia ungewollt an ihre mentalen Grenzen. Während des Erdbebens mit der Stärke 7,8 in der Geschichte Nepals sind sie und eine weitere Freiwillige zurück in Swaragau, 18 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Knapp 8800 Todesopfer fordert die Katastrophe, auch in Patrizias Dorf werden Menschen unter Trümmern begraben. Nur wenige Häuser bleiben stehen. Nach dem ersten Schock werden die Gespräche mit der zweiten Volontärin zum Anker.

„Ich hätte es nicht durchgestanden, wenn ich mit niemanden hätte sprechen können,“

ist Patrizia sicher. Die beiden bleiben und helfen beim provisorischen Wiederaufbau. Zurück in Österreich erzähle sie bei Stammtischen, auf Vereinsveranstaltungen und in Turnhallen über die Situation in Nepal. Im September reist Patrizia mit ihrem Bruder und einer Freundin wieder in den Himalaya. Bar dabei: 10.000 Euro Spendengeld, das für den Neubau des Waisenhauses und der Schule verwendet wird. Drei Monate dauert Patrizias Abenteuer in Nepal. Eine Zeit, voller Höhen und Tiefen, neuer Freunde und imposanter Einblicke. Eine Zeit, die Spuren hinterlässt – bei Patrizia und in Nepal.

Nepal-Reisetipps:

  • Planung: Vor allem, wenn man das erste Mal nach Nepal reist, sollte man eine erfahrene Organisation zu Rate ziehen.
  • Guide: Wandern ohne einen einheimischen Guide ist gefährlich. Vor allem, wenn man das erste Mal im Himalaya ist, hilft er, die eigenen Grenzen zu erkennen.
  • Respekt: Wenn man in die nepalesische Kultur eintauchen will, sollte man sich den Gepflogenheiten anpassen. Das bedeutet unter anderem, seine Beine und Schultern zu bedeckten. Das nicht zu machen ist disrespektierlich.
  • Wasseraufbereitungstabletten: Sollten auf keiner Packliste fehlen, vor allem, wenn man in abgelegene Regionen reist.

 

Alle Fotos © Patrizia Z.

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  1. Danke für den Beitrag💯💯♥️♥️

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