Israel aus jungen Augen

In Israel beweinten Nachwuchsjournalisten die Opfer der Shoa, fühlten die Energie der Klagemauer und interviewten einen echten Inglourious Bastard. Warum das Land mehr als das ist, was man in den Medien sieht, erzählen sie hier.

„Ich schäme mich nicht für die Tränen, denn auch um mich herum nehme ich vereinzelt Schluchzer wahr. Niemand blickt mir direkt in die Augen, das alles lässt keinen der BesucherInnen kalt,“ scheint Julia nur für sich zu lesen.

Der Raum im jüdischen Institut für Erwachsenenbildung ist unscheinbar. Beiger Linoleumboden, ein paar Stühle. Hier lauschen 15 Besucher der 19-Jährigen, die ihre Gefühle in Yad Vashem, der bedeutensten Shoa-Gedenkstätte, in Worte kleidet. Über Facebook-Videostream klingen diese bis nach Israel.  „Yad Vashem sollte jeder einmal gesehen haben. Weil wir alle immer noch Verantwortung tragen,“ appelliert Julia. Die anderen vier Youth Reporter nicken zustimmend.

Die Welt in Worte fassen

Youth Reporters – das sind 37 junge Schreibtalente die, nach einem journalistischen Basistraining ihre Sicht auf die Welt auf dem Youth Reporter Blog veröffentlichen. Initiiert wurde das Projekt vom Österreichischen Jugendportal. Das Ziel ist jungen, angehenden Journalisten eine Bühne zu geben. Ursula Raberger leitet das Youth Reporter Projekt und organisierte die Reise nach Israel, während der fünf Talente Geschichten und Videos produzierten.

Nach Tagen voller Besichtigungen, etwa der Knesset, einem Kibbuz oder der Klagemauer, verschriftlichten die Jungjournalisten in der Hostellobby ihre oft intensiven Eindrücke. „Ich bin nicht religiös, aber von der Klagemauer geht so eine positive Energie aus – nicht nur, weil die Menschen dort singen,“ erzählt Sharon.

Ein echter Inglourious Bastard

Neben den Besichtigungen gaben Interviewpartner den Jungreportern Einblicke in die Geschichte Israels und seiner Menschen – in sämtlichen Facetten. Sie sprachen mit Gideon Eckhaus, dem Präsidenten des Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel oder mit Roni, die ihren Grundwehrdienst in der israelischen Armee verrichtet .

Den intensivsten Eindruck hinterließ das Gespräch mit einem Mann den Raberger als „echten Inglorious Bastard“ ankündigt. Der 96-Jährige Chaim Miller floh 1938 vor den Nazis nach Palästina. Nach dem Krieg war er als Mitglied der Jüdischen Brigade beteiligt an der Hinrichtung von SS-Männern.

Für die Youth Reporters war es das fordernste Interview. Sie mussten die Kamera einstellen und Fragen formulieren. Zusätzlich galt es, die Schilderungen Millers zu verarbeiten, der sagt:

„Ich würde es heute nicht wieder tun, aber ich bereue nichts.“

Wie die Nachwuchsjournalisten sich fühlten, will Raberger wissen. Er war sehr gastfreundlich, hat uns Kekse angeboten,“ sagt Karla. „Wirklich verstehen können wir es nicht,“ steht in Annas Blogartikel. Und: „Manchmal ist es gut, nicht zu verstehen“.

Mehr als nur Waffen

Nach den sechs Tagen in Israel hat sich der Blick der Youth Reporter differenziert. Zuhause in Österreich beschränkte sich ihre Perspektive auf die mediale Berichterstattung. Und diese stellt vermehrt den Nahost-Konflikt in den Fokus. Oder, wie Karla es ausdrückt:

„Die Medien sind immer nur dort, wo Waffen sind.“

Vor dem Konflikt dürfe man nicht die Augen verschließen, sind sich die Nachwuchsjournalisten einig. Doch Israel sei viel facettenreicher, nämlich „religiös, sonnig und kulinarisch.“ Das Resümee im Abschlussvideo der fünf fällt deshalb wehmütig aus. Israel habe sie „in die Arme geschlossen und nicht ohne Spuren im Herzen losziehen lassen“.

Mehr Texte, Videos und Fotostrecken der Youth Reporters findet man auf dem Youth Reporter Blog und auf dem Youtubekanal der Österreichischen Jugendinfos. Youth Reporter werden kann jede/r im Alter zwischen 16 und 23. Nähere Informationen zur Bewerbung gibt es bei den Jugendinfos der Bundesländer und unter info@jugendportal.at.

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