Am Souk in Rissani

Esel der den Kopf schüttelt mit Decke und Zaumzeug auf einer Brachfläche am Markt in Rissani, Marokko

Vergesst Marrakesch! In der alten Beduinenstadt Rissani kann man das wahre Markttreiben erleben. Ein Tag zwischen Ziegen, Gewürzen und Autoreifen.

„Morgen gehen wir auf den Souk“, kündigte unser marokkanischer Guide Hicham an. Wir hatten eben drei Tage mit ihm die Sahara durchstreift, hatten Sand unter den Füßen und Wind in den zerzausten Haaren. An einem Dienstag waren wir wieder in der Zivilisation um einen Nachmittag auf einem echten Souk zu verbringen.

Zum Einstieg hier schon drei Gründe, den Souk in Rissani zu besuchen:

  • In Rissani gibt es die besten Datteln in Marokko
  • Hier kann man einen echten Souk erleben, fernab der Touristenmassen in Marraksch, Fes oder Meknes
  • In der Nomadenapotheke kann man sich mit natürlichen Heilmitteln eindecken – Aphrodisiaka inklusive

Die alte Beduinenstadt

Rissani ist eine Wüstenstadt im Talifalet, einer Oasengruppe im Osten Marokkos. 40 Kilometer weiter liegt das Örtchen Hassilabied, Startpunkt der beliebten Wüstensafaris in die Sanddünen von Erg Chebbi. Viele Reisende kommen mit Bussen von Fes oder Marrakesch in das Talifalet. Eine klassische, organisierte Tour plant einen Tag am Kamelrücken und eine Nacht im Beduinenzelt ein. Dann geht es wieder zurück ins pulsierende Marrakesch. An Rissani fahren die Touristenbusse meist nur vorbei. Dabei wartet die alte Beduinenstadt mit einem traditionellen marokkanischen Markt auf, den man in der Medina von Marrakesch vergeblich sucht.

Schon 750 v. Chr. wurde in der Nähe des heutigen Rissani Handel betrieben. Damals stand hier eine Oasensiedlung names Sijilmassa. Alle zwei Jahre, als die Karawanen die durch Nordafrika zogen machten sie in der Siedlung halt. Sijilmassa entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsstützpunkt. Seit damals wurde hier gehandelt. Mit Sklaven, Gold und Elfenbein etwa. Aber auch, so wie noch heute, mit den lokalen Erzeugnissen der Region. Allen voran: Datteln.

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An Hichams Seite schlendern wir durch die Hallen. Der Wüstenguide ist ein bekanntes Gesicht in den verwinkelten Gässchen der Halle. Die Sonnestrahlen die durch die Oberlichter fallen lassen die Staubpartikel in der Luft leuchten. In jeder Seitengasse ist ein Handwerk angesiedelt. Wir schlendern vorbei an Ständen mit Fleisch, Obst, Gewürzen, an Tischlern und Frisören. Alle paar Minuten bleibt Hicham stehen, plaudert mit Bekannten und weist uns auf Besonderheiten hin.

Flipflops, Datteln und Aphrodisiaka

Wir stehen zwischen restaurierten Fahrrädern, Futtertrögen aus Autoreifen und kunstvoll gelöteten Eingangstoren als Hicham uns ein Stück dickes, schwarzes Plastik vor die Nase hält. „Nomaden-Flipflops“, strahlt er.  Die Bewohner des Talifalet wissen allem Anschein nach aus Rohstoffen etwas Nützliches zu machen. So sind die Sohlen der ledernen Flipflops Teile alter Autoreifen. Sie sind mit Nägeln befestigt und haben in der Wüste durchaus ihre Daseinsberechtigung. „Die schmelzen dir nicht unter den Füßen weg,“ erklärt Hicham.

Marokko Souk Rissani

Zwei Stände weiter fallen Sonnenstrahlen durch die Oberlichter auf das Gold des Talifalet. „Nimm dir eine“, fordert Hicham auf. Ich stecke mir eine Dattel in den Mund und zerdrücke die süße Masse auf meiner Zunge. In der Markthalle häuft sich das süße Gold auf Tischen und auf Tüchern am Boden. „Premium-Dattel“, nennt Hicham die, die ich eben gekostet habe. Über 300 verschiedene Sorten gibt es in Marokko, 20 werden im Talifalet angebaut. Die süße Frucht ist ein hier quasi Grundnahrungsmittel und soll auch gegen Schlafstörungen zum Einsatz kommen. Beim jährlichen Dattelfest im Oktober wird das süße Gold des Südens gefeiert.

Gegen schlimmere Beschwerden hat die Natur weitere Allheilmittel bereit. Hicham bugsiert uns in den kleinen Marktstand, in dem es scharf nach verschiedenen Gewürzen riecht. „Nomadenapotheke“, nennt er ihn. Wir setzen uns auf eine kleine Bank und lassen den Blick schweifen. Auf einer Holztheke stehen allerlei Schälchen und Dosen, buschige Gewürzstrauche hängen von der Decke. Seit Menschen das Talifalet besiedeln werden Wehwehchen mit Naturheilmitteln behandelt. Hier gibt es Tees gegen Magenbeschwerden, Tinkturen gegen Hautausschläge und Tropfen gegen Ejakulationsschwierigkeiten. Auch heute greifen die Oasenbewohner auf Arznei aus der Natur zurück. Wohl auch aus Kostengründen.

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Ein heiserer Schrei dröhnt durch die Halle. „Das kommt vom Parkplatz“ sagt Hicham.  Auf einer Brachfläche neben den Gemüseständen stehen Dutzende Esel in der Sonne, an den Fesseln sind sie mit Seilen am Boden festgemacht. Der Markt neigt sich dem Ende zu. Jeden Dienstagmorgen parken hier hunderte Grautiere. „Jetzt sind nur mehr die Alten da,“ erklärt Hicham. Bald werden sie die Waren wieder nach Hause transportieren, bis am nächsten Dienstag der Markt wieder von vorne beginnt.

Literaturtipp: Im Fairunterwegs-Magazin „Marokko verstehen“ findest du Hintergrundgeschichten und einen lebendigen Einblick in die Kultur Marokkos


 

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