Highway to the Rainbow

Der Weg zum „Rainbow Mountain“ in Peru ist ein wunderschöner Touristentrampelpfad. Dies nutzen die Einheimischen kreativ aus und machen mit ihren Pferdetaxis ein gutes Geschäft. Von Plumpsklos, Selfie-Sticks und fitten alten Damen.

Mit Touristen und Pferdetaxis auf den Rainbow Mountain

„Cavallo?!“ ruft mir der Mann fröhlich zu während er an mir vorbeirast. Es ist mehr eine Floskel als eine Frage, als würde er schon wissen, dass bei mir nichts zu holen ist. Ich schüttle den Kopf und stapfe weiter. Er ist heute nicht der Erste. Ich wandere erst seit 10 Minuten in den Rainbow Mountains und doch haben mir schon fünf seiner Kollegen einen Ritt auf dem Pferderücken angeboten. Es sollen heute noch mehr werden. Und genau das macht diese Wanderung besonders.

Die Touristen kommen!

Der Regenbogenberg oder Vinicunca erlebt seit letzem Jahr einen Touristenansturm. Erst 2015 wurde der Berg in der Provinz Quispicanchi für den Tourismus erschlossen. Seitdem wird ein ikonisches Bild in sozialen Medien gepostet: Eine Person von hinten vor Bergkämmen, die, in feinen Linien gestreift, in allen Farben des Regenbogens strahlen. Seit Januar 2016 gibt es geführte Touren – fast alle Anbieter im Zentrum Cuscos haben die Regenbogenberge im Programm. Für rund 15 Euro gibt es An- und Abreise im Minibus und einen Guide.

dorf peru

Auf dem Parkplatz nahe des Ortes Quechuyno sieht man wie viele Menschen der Regenbogenberg wirklich anzieht. Es reihen sich Reisebusse aller Größen, dazwischen reden Touristen mehrsprachig durcheinander. Im Trubel stehen die Fahrer und Guides und kauen Cocablätter. Wir stellen uns in die Schlange um einige Soles Eintritt zu bezahlen. Mit dem Wegegeld finanzieren die Einheimischen die Müllentsorgung und den Bau von Toiletten. Etwas abseits vom Weg wird eine Lehmhütte gebaut. Sie soll bald die Holzverschläge ersetzen, vor der sich die Touristen reihen.

Ein etwas anderer Taxidienst

Der Trubel um den Vinicunca kommt vor allem den Locals zugute. Diese verdienen nicht nur mit dem Wegegeld, sonder auch mit Pferdetaxis. Denn die Wanderung ist an sich nicht steil, doch die Höhe macht den Touristen zu schaffen. Schon der Startpunkt liegt auf 4900 Metern Seehöhe, das Ende des Aufstieges auf stolzen 5200 Metern. Um den Gipfel ohne Quälerei zu erreichen, kann man sich auf den Rücken eines Criollos setzen und sich von einem Einheimischen bis kurz vors Ziel führen lassen.

pferde menschen rainbow mountain peru.jpg

Pferde gibt es hier genug. Einige Tiere und ihre Besitzer dösen in der Nähe des Parkplatzes. Sie haben die Strecke bis zum Aussichtspunkt heute schon einige Male zurückgelegt und warten nun auf die nächste „Schicht“. Wie diese aussieht bekommt man gleich am Anfang des Weges mit. Während wir auf dem Trampelpfad unterwegs sind, höre ich ein lautes „Cavallo!“ Es klingt mehr wie eine Aufforderung als eine Einladung. Als ich den Kopf schüttle traben Mann und Pferd fröhlich an mir vorbei. Das Pferd trägt eine bunte Decke unter einem spanischen Sattel, er Wollsocken und Schlapfen. Einige Meter weiter bietet er dem nächsten Touristen einen Ritt an.

wandern peru

rainbow mountain peru wanderungIch will die Wanderung mit meinen eigenen zwei Beinen schaffen und kämpfe mich den Berg hinauf. Alle paar Minuten werde ich von Pferden und deren Führern überholt. Als Antwort auf jedes „Cavallo?!“ keuche ich „no, muchas gracias“, doch meist sind die fitten Einheimischen dann schon an mir vorbei. Ohne ein Anzeichen von Müdigkeit joggen sie den Pfad hinauf.  Sie tragen feste, knöchelhohe Wanderschuhe, traditionelle Filzhüte und bunte Jacketts. Die meisten tragen zusätzlich ein Lächeln auf dem Gesicht. Unter den Pferdeführern sind auch viele Frauen, die in weiten Röcken den Berg hinauflaufen. Eine der Damen hat schon ein stattliches Alter erreicht. Da sie so schnell an mir vorbeizieht kann ich sie nicht nach ihrem Alter fragen. Aber das sollte man eine Dame ohnehin nicht.

pferde peru

In jedem Abschnitt der einstündigen Wanderung kann man auf ein Pferd steigen. Viele Menschen nehmen das Angebot an. Etwa eine junge Frau, die mit einem Selfie-Stick in der Hand im Sattel sitzt und sich während des Rittes selbst filmt. Sie zahlt 40 Soles, also knapp 10 Euro für den Weg nach oben. Beide Richtungen kosten 70 Soles. Bis zu zehn Kunden am Tag transportieren die Pferdeführer auf den Berg, erzählt uns unser Guide. Abzüglich des Futters für die Tiere ist das ein guter Verdienst.

pferde rainbow mountain peru.jpg

fohlen peru

Es ist eine subtile Choreographie: Die bunten Pferde mit den noch bunteren Decken, die Rufe der Einheimischen wenn sie an einem Tourist oder einem anderen Pferdeführer vorbeirauschen. Auch ein Fohlen macht mit, bockend springt es seiner Mutter hinterher.

Immer wieder staunen wir darüber, wie leicht und wendig sich die Einheimischen bewegen, hier auf knapp 5000 Metern, wo jeder Schritt eine Überwindung ist.

Das Schauspiel dauert bis kurz vor der Bergkuppe an. „Final de caballos“ steht auf einem grünen Schild, darum rasten Menschen und Pferde. Bis zur Bergkuppe muss sich jeder Tourist ohne Hilfe hinaufkämpfen.

final de caballos.jpg

Und dann ist er endlich da, der heiß ersehnte und oft zuvor gesehene Ausblick über die Regenbogenberge. Die Farben entstanden in Millionen von Jahren. Verschiedene Gesteinschichten wurden durch die Plattentektonik nach oben gepresst und erhielten durch die Witterung ihre Verfärbungen. Die roten Stellen sind mit dem Spurenelement Eisenoxid durchzogen. Goethite oder oxidiertes Brauneisenerz ergeben die braune, Eisensulfit die gelbe und Chlorit die grünen Schattierungen des Gesteins.

rainbow mountains peru.jpg

rainbow mountains peru wandern

Auf der Bergkuppe wird es eng, Menschen stehen Schulter an Schulter, man hört Spanisch, Französisch, Englisch, Portugiesisch und Deutsch. Wieder stehen Menschen an. Diesmal, um ein Foto von sich der Bergkette zu bekommen. Wir verzichten auf das klassische Foto. Das Stimmengewirr ist anstrengend, das Atmen schwer. So beeindruckend die Aussicht ist, wir müssen weg von der Menge. Abseits des Trubels sind nur noch die Berge und wir. Und entfernt schallt es ganz leise „Caballo?!“

Der Vinicunca nicht der einzige Berg der sich farbenfroh kleidet. Im Zhangye-Danxia-Geopark in China kann man ein ähnliches Schauspiel bewundern. Auch in den Anden gibt es weitere bunte Berge: die Serranía de Hornocal in der argentinischen Provinz Jujuy trägt den klingenden Namen „Berg der vierzehn Farben“.

Hast du jetzt Fernweh nach Peru? Dann könnte dir diese Geschichte auch gefallen:

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.