Mein Guide zum Europäischen Freiwilligendienst

Du willst  nach der Schule ins Ausland oder brauchst nach dem Bachelorstudium frischen Wind um die Nase? Dein einziges Problem sind die Finanzen? Dann könnte der Europäische Freiwilligendienst (EFD) eine Option für dich sein. Hier erkläre ich was das genau ist und wie du mitmachen kannst.

Wir starten mit den harten Fakten. Danach findest du eine Step-by-Step Anleitung, wie du dir deinen EFD planen kannst. Und am Schluss erzähle ich über meine Erfahrung als Freiwillige bei einem Filmfestival in Slowenien.

Die hard facts

  • Alter: 17 – 30 Jahre
  • Dauer: 2 – 12 Monate (je nach Projekt)
  • Kosten: keine!
  • Voraussetzungen: keine!

Du siehst, wenn du in das Altersfenster fällst steht deinem EFD-Abenteuer nichts mehr im Weg 🙂 Im nächsten Absatz erfährst du mehr über das Projekt.

Die Länder

Der Dienst ist ein Projekt des EU-Programmes Erasmus+. Trotzdem kannst du auch einen Aufenthalt außerhalb Europas machen.  Du hast die Wahl zwischen 45 Ländern. Das sind alle 28 Mitgliedsstaaten der europäischen Union. Hinzu kommen noch nicht EU-Mitgliedsländer wie zusätzlich Island, Mazedonien, Norwegen, die Schweiz und die Türkei. Auch benachbarte Partnerländer der EU nehmen Freiwillige auf. Das bedeutet du kannst deinen EFD auch in Marokko, Armenien, Russland oder Tunesien absolvieren. Neugierig geworden? Hier findest du eine Liste der Aufnahmeländer!

Die Arbeit

Beim EFD verrichtest du Freiwilligenarbeit bei NGOs und sozialen Einrichtungen. Was du konkret machst, hängt von deiner Organisation ab. Die Projekte sind in den folgenden Bereichen angesiedelt:

  • Naturschutz und Umweltschutz
  • Kunst und Kultur
  • Sport und Freizeit
  • Bildung und Politik
  • Betreuung von Kindern, Jugendlichen, alten oder behinderten Menschen, Obdachlosen oder Flüchtlingen

Im Zuge des Projektes leistest du Freiwilligenarbeit. Diese ist beim EFD auch mit Rechten und Pflichten verbunden. Das bedeutet für dich, dass du circa 4 Stunden am Tag arbeiten solltest. Zusätzlich hast du Anspruch auf Urlaubstage. Wie deine Arbeitszeiten schließlich aufgeteilt sind, kannst du dir individuell mit der Organisation ausmachen.

Im letzten Absatz kannst du lesen, wie viel ich in meinem EFD Projekt arbeitete.

Die Finanzen

In einem dieser Länder kannst du 2 Monate bis ein ganzes Jahr verbringen. Das coole daran? Es kostet dich kein Vermögen. Denn die meisten Kostenfaktoren sind schon abgedeckt.

Diese Kosten werden beim EFD übernommen:

  • Unterkunft
  • Verpflegung
  • Taschengeld
  • Versicherung
  • Familienbeihilfe
  • Teile der Reisekosten
  • Sprachkurs

Die Organisation, bei der du deinen Freiwilligendienst verbringst stellt dir Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Während meines EFD wohnte ich einen Monat zusammen mit einer anderen Freiwilligen in einer Wohnung, die die Aufnahmeorganisation für uns gemietet hatte. Die anderen 2 Monate teilten wir und zu dritt ein Zimmer in einem Hostel.

Meistens besorgten wir uns das Essen mit dem Taschengeld, das wir von der Organisation bekamen und kochten dann gemeinsam. Das Taschengeld ist davon abhängig, wie hoch die Lebenshaltungskosten in dem Land sind. Grundsätzlich kannst du mit 55 bis 145 € pro Monat rechnen. Auch die Versicherung ist für die Zeit deines Aufenthaltes gedeckt. Die EU bezahlt Haftplicht-, Kranken-, sowie Unfallversicherung für dich. Wenn du Familienbeihilfe beziehst, wird dir diese während des Aufenthaltes weiter gezahlt.

Das Projekt deckt auch lokale Transportkosten ab, damit du an deinem neuen zuhause auf Zeit von A nach B kommen kannst. Die Anreise und Abreise in dein EFD-Land wird auch unterstützt. Wie viel zu bekommst ist abhängig von der Distanz, die du zurücklegst. Diese kannst du hier berechnen. Als Richtwert gilt:

100 – 499 km 180 € / Person
500 – 1.999 km 275 € / Person
2.000 – 2.999 km 360 € / Person
3.000 – 3.999 km 530 € / Person
4.000 – 7.999 km 820 € / Person
ab 8.000 km 1.100 € / Person

Du sprichst die Sprache in deinem Zielland noch nicht? Auch hier unterstützt dich das Programm. Deine Aufnahmeorganisation ist verpflichtet, die einen gratis Grundkurs in der Landessprache zu organisieren. Je nachdem wie lange du bleibst, hast du mehr oder weniger Sprachstunden. Wenn du länger als 2 Monate bleibst, und Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Italienisch oder Deutsch lernen möchtest, erhältst du deinen Sprachkurs online, über das Tool OLS (Online Linguistic Support).

Step by Step zu deinem Europäischen Freiwilligendienst

 

1) Wo kann ich mich einbringen? Finde deine Aufnahmeorganisation!

Beim EFD verbringst du deine Zeit im Ausland bei einer sogenannten Aufnahmeorganisation. Das kann eine soziale Organisation sein, die sich für Menschen mit Beeinträchtigung einsetzt. Oder eine NGO die mit jungen Menschen arbeitet – etwa ein Sportverein, ein Kindergarten, eine Schule oder eine Tagesbetreuungsstätte. Oder ein Verein, der sich dem Tierschutz oder Umweltschutz verschrieben hat. Ein Verein, der die lokale Entwicklung fördern möchte. Oder der Vermittlung von Medienkompetenz. Oder, oder, oder.

Du siehst, es gibt eine breite Auswahl. Ein großer Vorteil, weil du deine Aufnahmeorganisation selbst auswählen kannst. Klick dich doch mal  durch die Datenbank. Hier findest du bestimmt eine Organisation, die für das Thema brennt für das auch dein Herz schlägt!

2) Wer schickt mich? Finde deine Versendeorganistion!

Neben einer Organisation die dich aufnimmt, brauchst du auch eine Sendeorganisation. Die ist dafür verantwortlich, dass alles reibungslos abläuft. Sie hilft dir bei der Organisation. Auch während des Aufenthaltes steht sie dir zur Seite. Von diesen Versendeorganisationen, die auch Aufenthalte organisieren gibt es derzeit 40 in Österreich. Hier kannst du sie durchklicken.

Nun hast du 2 Möglichkeiten:

Du kannst dich selbst auf die Suche nach einer Entsendeorganisation machen. Auf der Datenbank kannst du nach Themen, Ländern und Bewerbungsdeadlines filtern. Allerdings kannst du den Überblick verlieren und einige Einträge sind in der Landessprache verfasst. Ich habe allerdings gefühlte Ewigkeiten auf dieser Datenbank verbracht, ohne mich für ein Projekt entscheiden zu können.

Meine Entsendeorganisation hat schließlich mich gefunden. Das Infoeck Tirol schickte einen Newsletter mit einer offenen Stelle bei einem slowenischen Filmfestival – perfektes Match! 🙂 Darum ist der Weg, den ich dir ans Herz legen will, dir von einer Jugendinfo helfen zu lassen. Hier findest du die Infostelle deines Bundeslandes. Sie haben Überblick über offene Projekte und halten auch Infoabende ab. Welche Projekte wo und von welcher Organisation angeboten werden musst du somit nicht mehr selbst herausfinden. Und die Infostelle hilft dir auch beim Bewerbungsprozess.

3) Wie kann ich begeistern? Die Bewerbung bei der Aufnahmeorganisation!

Hast du einmal dein perfect match gefunden, kannst du dich direkt an deine Aufnahmeorganisation wenden. Diese gibt dir Informationen über die Bewerbungsfristen und den Ablauf deines EFD. Je nach Projekt ist der Bewerbungsprozess anders. Die meisten Bewerbungen beinhalten allerdings:

  • Lebenslauf
  • Motivationsschreiben
  • Bewerbungsbogen deiner Entsendeorganisation

Nach dieser ersten Runde, in der du deine Unterlagen verschickt hast, wirst du wahrscheinlich zu einem Skype-Gespräch eingeladen. Leg dich hier ruhig ins Zeug und erkläre im Motivationsschreiben und beim Skype-Gespräch, warum du für das Projekt brennst. Die Organisationen wollen junge Menschen, die sich für ihre Sache begeistern können. Und sie möchten Freiwillige finden, die sich selbst einbringen. Denn schließlich Wenn du deine Leidenschaft gut darlegen kannst, musst du keine Sorge haben, kein Projekt zu finden.

Filme am Strand: Meine EFD – Erfahrung

Eines Tages im Winter 2014 bekam ich eine E-mail von meiner Chefin bei meiner früheren Praktikumsstelle weitergeleitet. Die Mail war vom Kino Otok Film Festival in Slowenien. Der Inhalt: Sie suchten Freiwillige, die ihnen bei der Organisation des Film Festivals halfen. Ich wollte ins Ausland, konnte mich für Film begeistern und hatte Zeit – ein Glücksgriff also.

Den ersten Monat verbrachte ich in Ljubljana, wo das Büro der Organisation sitzt. In dieser Zeit wohnte ich zusammen mit einer zweiten Freiwilligen in einer netten Wohnung, die die Organisation gemietet hatte. Wir hatten viel Zeit um uns kennen zu lernen und die Stadt zu erkunden. In der Anfangsphase war für das Festival noch nicht viel zu erledigen. Also zeigten wir Eigeninitiative und begannen Werbevideos für eine Veranstaltung des Festivals zu drehen.

Kaffee trinken
Wenn Arbeit sich anfühlt wie Urlaub – mein Gespräch mit einem spanischen Filmemacher

Nach einem Monat in Ljubljana ging es ab an die slowenische Küste – in den bezaubernden Ort Izola. Dort organisiert meine EFD-Organisation jedes Jahr ein internationales Filmfestival. Bald kamen 10 andere Freiwillige aus Italien, Österreich und Kroatien. Zusammen bewohnten wir ein Hostel im Ortskern. Dort kochten und chillten wir gemeinsam. In unserer Freizeit (und davon hatten wir eine Menge) gingen wir schwimmen, slacklinen, laufen oder erkundeten den Ort. Fast ein bisschen wie Urlaub also. Wenn da nicht die Arbeit wäre.

Die Vorbereitungen des Festivals waren vielfältig und wir kamen überall zum Einsatz. Wir drehten ein weiteres Werbevideo, organisierten einen Filmworkshop für Jugendliche, halfen beim Aufbau der Bühnen, beim Ticketverkauf und waren immer da, wenn eine helfende Hand gebraucht wurde. Mein Highlight der Arbeit waren die Interviews, die wir mit den Filmemachern führen durften, die Gäste des Festivals waren. Nach kurzer Zeit waren Freiwillige und Festivalmitarbeiter ein eingeschweißtes Team. Dadurch fühlte sich die Arbeit so an, als würde man mit Freunden ein cooles Projekt auf die Beine stellen.

Namen auf einer großen Leinwand
Ein Dank an die vielen Freiwilligen auf der Filmleinwand am letzten Tag des Festivals.

Und dieses Gefühl war es auch, das ich von meinem Freiwilligenaufenthalt mit nach Hause nahm. Ich kann den EFD nur empfehlen. Gerade in Übergangsphasen im Leben (und die hat schließlich jeder) gibt einem ein sinnvoller Aufenthalt im Ausland viel Auftrieb. Ich konnte mich nach der Zeit in Slowenien endlich für ein Studium entscheiden. Zudem habe ich eine Menge neuer Freunde gefunden, mit denen ich immer noch in Kontakt bin. Darum mein Apell: EFD – Let´s do it!

  • Meine Geschichte ist nur eine von vielen. Hier kannst du dich durch andere Stories von EFDlern stöbern.
  • Hier kommst du auf die offizielle Homepage des EFD.
  • Hier kommst du zur österreichischen Nationalagentur

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