Wie man im Kinosessel in andere Welten reisen kann

Du willst andere Ecken der Welt erkunden und neue Menschen kennenlernen? Im Kino kannst du all dies machen, ohne dein Heimatland zu verlassen. Ein Plädoyer fürs Welt(en) entdecken im Kinosessel!

Andere Welten im Kinosessel bereisen

Ich kämpfe mit den Tränen. Gerade war ich mitten im syrischen Kriegsgeschehen, habe Menschen leiden, protestieren, lachen, sterben gesehen. Ich sitze im Saal 1 des Moviementokinos bei der Vorführung von The War Show  im Zuge des Crossing Europe Filmfestivals. Das Licht geht an und Andreas Daalsgard, Co-Autor von beantwortet Fragen über die Protagonisten und den Film. Nach diesen beiden Stunden habe ich mehr über den komplexen Konflikt in Syrien verstanden als in den Jahren zuvor. Das schmerzt, rüttelt auf und bedrückt. Und genau das ist das Zauber des Films.

„After years of Syria making headlines, perhaps some audiences feel fatigue with the topic. But the poignancy of this film will awaken you.“ so das Toronto International Film Festival. Berichte über den Krieg in Syrien begegnen einem täglich in den Medien. Der Nachhall von The War Show ist stärker, als es ein Fernsehbeitrag je sein könnte. Der Grund sind die Menschen, die der Film begleitet.

Die syrische Radiomoderation Obaidah Zytoon und ihre Freunde beginnen 2011 die Veränderungen in ihrem Heimatland zu dokumentieren. Obaidah, Amal, Houssam, Rabea, Argha, Lulu und Hisham nehmen Protesten teil, fahren unter Lebensgefahr nach Homs, dem Zentrum der Rebellion, filmen ihr tägliches Aufbegehren, Lieben und Leiden. Als man im letzten Kapitel des wie ein Tagebuch gestalteten Filmes von Folter und Tod einiger erfährt möchte einem das Herz brechen. „The film humanizes the protagonists and manages to suggest how regular people got involved in the struggle.“ so der Filmkritiker Boyd van Hoeij.

Empathie im Kinosessel

Im Kinosaal sind Nebengeräusche und andere Störeffekte vermindert. Ob man will oder nicht, man wird man in andere Lebenswelten gebeamt. An einem Tag beim Crossing Europe war ich ebenfalls zum ersten Mal in Litauen, um Vytas bei der Arbeitssuche zu beobachten. Die Dunkelheit, die Anspannung im Saal bringt einen unweigerlich dazu, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Man ist zwangsweise mit sich und dem Film alleine, bist konfrontiert mit Dingen, die dir wahrscheinlich nie passieren werden. Oder wirst durch den Film inspiriert, Dinge zu tun, die du im Kinosaal das erste Mal siehst.

Eine Gruppe Kinder und Erwachsener in einem Kinosaal
Das gemeinsame Erleben eines Films im Kino ist eine Praktik der Medienpädagogik. (Foto: Nina Ferkolj)

Ein Film wie The War Show kann dazu führen, dass man sich selbst in der Situation der Protagonist/innen vorstellt. Die moralische Imagination kann dadurch erweitert werden. Wie jeder einzelne mit den Filminhalten umgeht variiert. Ein Film kann die vermeintliche Lücke zwischen Zuseher und Protagonisten verstärken, oder Verständnis auslösen, so Menschenrechtsexperte Daan Bronkhorst. Filme können einen langweilen oder aufrütteln. Nichtsdestotrotz kann man im Beamer Kinosaal seinen Horizont über das 16:9 Bild erweitern und über andere Lebensrealitäten erfahren ohne dafür seine eigene verlassen zu müssen. Darum, ihr weltoffenen Geister: Nehmt diese Chance wahr. Und: gute Projektion!


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