Warum das Last-Minute Ticket nicht glücklich macht

Blick durch ein Busfenster auf die schottischen Highlands

Einfach wegzufliegen ist in unserer Zeit sehr einfach, aber immens schlecht für das Klima. Warum es erfüllender sein kann, den last-minute Flug nicht zu buchen und was Hippies damit zu tun haben.

Langsam reisen und zufrieden nachhause kommen

Mein letztes „little get away“ verbrachte ich in England und Schottland. Ich konnte bezaubernde Landschaften genießen. Allerdings beschränkte sich das Erlebnis auf einen Tag, den ich fast ausschließlich im Bus eines Reiseveranstalters verbrachte. Aussteigen und die Gegend erkunden war im knappen Zeitplan nicht vorgesehen.

Langsames Reisen Bus Fenster (c) Tim Foster - Unsplash
Wer im Schnelldurchlauf reist, sieht die Welt oft durch Busfenster. © Tim Foster / Unsplash.com

Wieso begab ich mich auf diese Reise? Die Antwort ist einfach: Weil ich konnte. Ich hatte einige Urlaubstage offen, etwas Geld gespart und brauchte eine Pause vom Alltagstrott. Die Welt ist ein Hop-on Hop-off Bus und das Busticket nur eine Online-Überweisung entfernt. Und falls ich das kurz vergessen sollte gab es immer Werbungen, Blogs oder Fernsehsendungen die mich daran erinnerten. Also eine Woche nach England, um die Energiereserven wieder aufzufüllen. Auf dem Weg zurück nach hause fühlte ich mich allerdings ausgelaugter und unzufriedener als zuvor. Wo war mein Denkfehler?

CO2 – Schleuder Tourismus

Auf meinem Trip nach England und Schottland bestieg ich vier Flugzeuge, fünf Züge und zwei Busse. Damit bin ich nicht alleine. Tourismus ist weltweit einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige. Schon im Jahr 2012 wurde die Grenze von 1 Billion internationaler Ankünfte überschritten. Global gesehen macht Tourismus 5% der CO2 Emissionen aus, 40% davon fallen auf den touristischen Flugverkehr. Wäre Tourismus ein Land, würde es auf dem fünften Platz der Staaten mit den meisten CO2 Emissionen stehen, nur knapp hinter den USA. ¹

Flugzeug mit Kondensstreifen (c) William Hook - Unsplash
 So sieht deine Flugreise von außen aus © William Hook / Unsplash

Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Allerdings schlägt sich auch hier der Trend zu kürzeren Reisen und Flugreisen nieder. In meinem konkreten Fall bedeutete mein little get-away, dass ich 0,48 Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen hatte.

Hippies wären langsam gereist

Ein Bekannter legte eine Reise zurück, die an die Hippie-Trails der 60er und 70er Jahre erinnerte. Damals begaben sich viele Menschen, zum Großteil aus Westeuropa, Nordamerika, Japan und Australien auf diese Reise in den „mysteriösen Osten“. Die ersten wagten die rauhe, fast 10.000 Kilometer lange Route nach Goa in Autos, Vans oder sogar auf Motorrädern. Der Flugreiseverkehr war im Vergleich zu heute sehr teuer. Hätten die Hippies ein Flugticket gekauft, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten?

Screenshot einer Suchanfrage auf swoodoo.com

Mein Freund startete seine Reise von Lettland nach Ägypten im Sommer 2016. Er verzichtete bewusst auf ein Flugticket. Meist stoppe er Autos, manchmal konnte er in Bussen von Freunden und Bekannten reisen. Insgesamt 10 Monate brauchte er für die Strecke. Diese Zeit eröffnete ihm Türen in andere Lebenswelten. Unzählige Male wurde er ins Zuhause zuvor fremder Menschen zum Essen eingeladen und durfte so deren Kultur kennenlernen. Die letzen beiden Monate vor seiner Heimreise wohnte er im Haus eines neuen Freundes in Ägypten.

Pro-Tipp: Die Länderinfo Fairunterwegs zeigt dir, wie viel CO2  deine An- und Abreise produziert.

Klar – Nicht jeder hat die Zeit und Freiheit um sich auf eine lange Reise zu begeben. Allerdings wird uns durch Geschichten wie diese deutlich, dass es wichtig ist, sich Zeit zu nehmen. Länder, Kulturen und Menschen richtig kennen zu lernen dauert länger, als ein paar Fenstertage. Diese Geschichte warf die Frage auf: Wie soll man zwischen Effizienz und Erfahrungsschatz abwägen, wenn es ans Reisen geht?

Last Minute – Ist es das wirklich wert?

Bei der Vorstellung ein Last-Minute Ticket zu buchen kribbelt es immer noch in meinen Fingern. YOLO – das Leben erleben, sich treiben lassen. Meist springen dabei noch eindrucksvolle Fotos auf instagram heraus, und man kann einen Haken unter seine Bucketlist setzen. Doch so verlockend das alles klingt: Das Ergebnis eines kurzen get-away wiegt meist den Zeitaufwand, die Anstrengung und den CO2 Ausstoß nicht auf.

Pro-Tipp: Bei myclimate kannst du den CO2-Ausstoß deiner Reise berechnen und kompensieren

Darum sollten wir uns fragen: was brauchen wir wirklich im Moment? Denn oft brauchen wir keine Reise in weit entfernte Gebiete. Besonders, wenn wir überfordert sind vom Alltag, müssen wir eigentlich nur unsere Batterien aufladen. Und Flugzeuge, Touristenbusse und Hostels sind nicht die optimalen Orte um zur Ruhe zu kommen.   Könnte schon eine Wochenende in der Natur uns all das geben, was wir brauchen?

Pro-Tipp: Auf Ecopassenger kannst du deine umweltfreundlichste Reisevariante berechnen.

In den meisten Fällen kann man auch im eigenen Land auf Entdeckungsreise begeben, oder in den Nachbarländern in fremde Kulturen eintauchen und dabei mit der Wahl von öffentlichen Transportmitteln seinen ökologischen Fußabdruck verringern. Zugegeben: Das klingt zwar weniger abenteuerlustig. Aber es ist das Sinnvollste das wir tun können – für uns und unsere Welt. Denn eigentlich ist nur der Weg das Ziel, sondern auch bereichert wieder zu Hause anzukommen.


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